Vom Hörsaal ins Chefbüro – Das Planspiel als Herzstück der ersten beiden Semester

Wer einen Blick in das Modulhandbuch des MBA-Studiengangs „Betriebswirtschaft für New Public Management“ wirft, stößt bereits im ersten Semester auf das Modul „Betriebs- und volkswirtschaftliche Zusammenhänge, Unternehmensführung“. Hinter diesem etwas sperrigen Titel verbirgt sich jedoch eines der spannendsten und praxisnächsten Elemente des gesamten Studiums: das Planspiel.

Das Modul erstreckt sich über die ersten beiden Semester und verbindet betriebswirtschaftliche Grundlagen mit unternehmerischem Denken und Handeln. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, wie Entscheidungen in Unternehmen getroffen werden und welche Auswirkungen sie auf den wirtschaftlichen Erfolg haben.

Was auf dem Papier zunächst nach klassischer BWL klingt, wird im Planspiel schnell zur gelebten Praxis.

Planspiel I – Die ersten Schritte als Geschäftsführung

Bereits im ersten Semester findet das erste Planspiel an einem Samstag in Präsenz statt. Vorab erhalten alle Teilnehmenden ein Handbuch zur verwendeten Simulationssoftware. Nach einem gemeinsamen Onboarding geht es direkt los.

Die Studierenden werden in Kleingruppen eingeteilt. Jede Gruppe übernimmt die Rolle der Geschäftsführung eines Unternehmens, das Drucker herstellt. Das Besondere dabei: Alle Unternehmen agieren auf demselben Markt und konkurrieren unmittelbar miteinander.

Von Beginn an müssen unternehmerische Entscheidungen getroffen werden. Wie viele Produkte sollen hergestellt werden? Welche Investitionen sind sinnvoll? Wie viele Mitarbeitende werden benötigt? Soll neues Personal eingestellt oder müssen Stellen abgebaut werden? Wie viel Material wird eingekauft?

Für jede Spielperiode treffen die Gruppen ihre Entscheidungen und erleben anschließend unmittelbar die Auswirkungen auf ihr Unternehmen. Die Ergebnisse werden noch am selben Samstag sichtbar. Schnell zeigt sich, dass gute Absichten allein nicht ausreichen und dass viele Entscheidungen unerwartete Folgen haben können.

Für das erste Planspiel selbst werden Bonuspunkte vergeben. Die eigentliche Prüfungsleistung besteht aus einem Bericht an den Aufsichtsrat aus Sicht der Geschäftsführung. Ergänzt wird die Bewertung durch ein Peer-to-Peer-Feedback innerhalb der Gruppen sowie eine persönliche Selbstreflexion.

Planspiel II – Wenn es ernst wird

Wer denkt, das sei bereits die größte Herausforderung gewesen, wird im zweiten Semester eines Besseren belehrt.

Das zweite Planspiel baut direkt auf den Erfahrungen aus dem ersten Semester auf und erweitert diese deutlich. Die Gruppen werden neu zusammengestellt und treten erneut gegeneinander an. Auch hier werden die ersten beiden Perioden an einem gemeinsamen Präsenzsamstag gespielt. Anschließend läuft das Planspiel über mehrere Wochen weiter.

Insgesamt werden acht Perioden durchlaufen. Jede Woche müssen Entscheidungen getroffen und fristgerecht in die Software eingetragen werden. Dadurch begleitet das Planspiel die Studierenden über einen längeren Zeitraum parallel zum regulären Studienbetrieb.

Gleichzeitig steigt die Komplexität deutlich an. Neue Produkte werden entwickelt, zusätzliche Märkte erschlossen und die Auswirkungen strategischer Entscheidungen werden spürbarer. Während im ersten Planspiel vor allem das Kennenlernen der Zusammenhänge im Vordergrund steht, geht es nun um nachhaltige Unternehmensführung und strategische Weichenstellungen.

Und ja: Auch Insolvenzen sind möglich.

Das klingt zunächst abschreckend, gehört aber ausdrücklich zum Konzept. Schließlich besteht unternehmerisches Handeln nicht nur aus Erfolgen. Entscheidungen können sich als falsch herausstellen, Märkte können sich anders entwickeln als erwartet und manchmal führen mehrere ungünstige Faktoren tatsächlich in die Insolvenz.

Wichtig ist dabei: Eine Insolvenz bedeutet keineswegs automatisch eine schlechte Note.

Vielmehr wird bewertet, wie professionell die Situation analysiert und aufgearbeitet wird. Ein Unternehmen kann saniert werden. Wer die Ursachen nachvollziehbar darstellt, sinnvolle Maßnahmen entwickelt und diese überzeugend präsentiert, kann auch mit einem wirtschaftlich gescheiterten Unternehmen sehr gute Ergebnisse erzielen.

Mehr als nur Zahlen

Die Abschlussleistung im zweiten Planspiel besteht aus mehreren Bausteinen. Neben den bekannten Peer-to-Peer-Feedbacks und Selbstreflexionen verfassen die Teams eine Executive Summary für den Aufsichtsrat. Darüber hinaus präsentieren sie ihre Ergebnisse in einer Abschlusspräsentation.

Besonders interessant ist die Art der Bewertung. Die Unternehmen werden nicht an einem festen Zielwert gemessen, sondern relativ zu den anderen Marktteilnehmern bewertet. Zudem gewichten die Teams ihre Kennzahlen selbst entsprechend ihrer Unternehmensstrategie.

Dadurch gibt es nicht die eine perfekte Lösung. Unterschiedliche Strategien können erfolgreich sein. Ein Unternehmen kann auf Kostenführerschaft setzen ein anderes auf Nachhaltigkeit. Genau wie in der Realität führen verschiedene Wege zum Erfolg.

Unsere persönliche Erfahrung

Für viele von uns gehört das Planspiel zu den spannendsten Bestandteilen des Studiums.

Nach Vorlesungen, Literaturarbeit und wissenschaftlichen Hausarbeiten ist es eine willkommene Abwechslung, selbst in die Rolle einer Geschäftsführung zu schlüpfen. Plötzlich werden Kennzahlen, Investitionsentscheidungen oder Personalstrategien nicht mehr nur theoretisch diskutiert, sondern unmittelbar erlebt.

Gerade dadurch wird die oft als „graue Theorie“ wahrgenommene Betriebswirtschaft greifbar. Zusammenhänge, die zuvor lediglich in Skripten oder Vorlesungsfolien auftauchten, werden im Planspiel verständlich und nachvollziehbar. Man erkennt, warum bestimmte Kennzahlen wichtig sind, welche Auswirkungen Entscheidungen auf andere Unternehmensbereiche haben und wie schwierig es sein kann, unter Unsicherheit die richtigen Weichen zu stellen.

Natürlich gibt es Diskussionen in den Teams, unterschiedliche Meinungen und manchmal auch überraschende Ergebnisse. Genau das macht den Reiz aus.

Unser Fazit: Das Planspiel ist weit mehr als eine Prüfungsleistung. Es verbindet Theorie und Praxis auf eine Weise, die im Gedächtnis bleibt und vermittelt Kompetenzen, die weit über das Studium hinaus relevant sind.

Viele Grüße

Euer Blog4Students-Team

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