Zwischen Planspiel, Prüfungsphase und Praxisbezug – ein Rückblick auf das zweite Semester

Kaum hatte man sich an das berufsbegleitende Studium, die ersten Präsenzwochenenden und das regelmäßige Öffnen der Lernplattform gewöhnt, war auch das zweite Semester schon wieder vorbei. Zumindest fühlt es sich im Rückblick so an. Während im ersten Semester noch vieles neu und ungewohnt war, kehrte im zweiten Semester langsam eine gewisse Routine ein.

Allerdings bedeutete Routine keineswegs, dass es ruhiger wurde. Im Gegenteil: Die Inhalte wurden umfangreicher, die Prüfungsleistungen rückten näher zusammen und neben dem Beruf wollten auch Gruppenarbeiten, Präsentationen und wöchentliche Entscheidungen im Planspiel koordiniert werden.

Zeit also für einen kleinen Rückblick.

Aus Kommilitoninnen und Kommilitonen wird ein Team

Eine der vielleicht wichtigsten Erkenntnisse des zweiten Semesters hat zunächst gar nichts mit Betriebswirtschaftslehre oder New Public Management zu tun: Ein berufsbegleitendes Studium funktioniert deutlich besser, wenn man nicht versucht, alles allein zu bewältigen.
Nach zwei Semestern kennt man sich inzwischen besser. Man weiß, wer frühzeitig mit einer Gruppenarbeit beginnen möchte, wer kurz vor der Abgabe noch einmal sämtliche Formulierungen hinterfragt und wer auch in einer längeren Lernphase den passenden Spruch zur Auflockerung parat hat.
Gerade weil alle neben dem Studium berufstätig sind und teilweise ganz unterschiedliche Aufgaben in Verwaltungen, öffentlichen Unternehmen oder anderen Einrichtungen wahrnehmen, ergeben sich spannende Diskussionen. Theoretische Inhalte bleiben dadurch selten abstrakt. Fast immer findet sich jemand, der ein passendes Beispiel aus dem eigenen Arbeitsalltag beisteuern kann.

Unternehmensführung unter Zeitdruck: Planspiel II

Ein fester Bestandteil des Semesters war das zweite Unternehmensplanspiel. Nachdem wir im ersten Semester bereits erste Erfahrungen mit virtuellen Unternehmen sammeln konnten, wurde es dieses Mal deutlich komplexer.
Neue Produkte, zusätzliche Märkte, Investitionen, Personalentscheidungen, Produktionsmengen und Finanzierungsfragen mussten gleichzeitig im Blick behalten werden. Über mehrere Wochen hinweg waren regelmäßig neue Entscheidungen zu treffen. Anschließend zeigte sich, ob die eigene Strategie tatsächlich aufgegangen war – oder ob der Markt andere Pläne hatte.
Das Planspiel hat eindrucksvoll gezeigt, wie eng betriebliche Entscheidungen miteinander verbunden sind. Eine auf den ersten Blick sinnvolle Maßnahme konnte an anderer Stelle unerwartete Folgen auslösen. Gleichzeitig mussten Entscheidungen im Team abgestimmt und unter Zeitdruck getroffen werden.
Besonders lehrreich war dabei nicht nur der Wettbewerb zwischen den Gruppen. Mindestens ebenso wichtig war die Erkenntnis, dass eine gute Entscheidung nicht automatisch zu einem guten Ergebnis führt. Märkte entwickeln sich anders als erwartet, Wettbewerber verfolgen eigene Strategien und manchmal basiert die beste Analyse trotzdem auf unvollständigen Informationen.
Damit kam das Planspiel der Realität vermutlich näher, als uns zwischenzeitlich lieb war.

Zahlen, die plötzlich eine Geschichte erzählen

Auch zahlenlastige Inhalte spielten im zweiten Semester eine wichtige Rolle. In der Kosten- und Leistungsrechnung ging es unter anderem darum, Kosten zuzuordnen, Deckungsbeiträge zu berechnen und wirtschaftliche Zusammenhänge sichtbar zu machen.
Was zunächst nach vielen Formeln und Tabellen klingt, hat einen sehr praktischen Hintergrund: Wer Ressourcen steuern und Entscheidungen nachvollziehbar begründen möchte, muss wissen, welche Leistungen tatsächlich welche Kosten verursachen.
Ähnlich praxisnah waren die Inhalte des Investitions- und Finanzmanagements. Investitionen werden schließlich nicht allein deshalb sinnvoll, weil eine neue Anschaffung wünschenswert erscheint. Entscheidend ist, ob sie wirtschaftlich tragfähig ist, welche Alternativen bestehen und wie sich unterschiedliche Zahlungszeitpunkte auf die Bewertung auswirken.
Gerade für die öffentliche Verwaltung ist dieser Blick wichtig. Dort müssen Investitionsentscheidungen nicht nur fachlich sinnvoll, sondern auch wirtschaftlich, rechtlich und politisch vertretbar sein.

Beschaffung und Vergaberecht: näher am Alltag als gedacht

Für mich persönlich gehörte das Modul Beschaffung und Vergaberecht zu den Inhalten mit dem unmittelbarsten Bezug zum beruflichen Alltag. Ob Leistungsbeschreibung, Eignungskriterien, Zuschlagskriterien, Losaufteilung oder die Änderung bestehender Verträge: Viele Fragestellungen begegnen Beschäftigten öffentlicher Auftraggeber regelmäßig. Gleichzeitig wurde deutlich, dass Vergaberecht weit mehr ist als die Einhaltung formaler Vorschriften.
Eine gute Beschaffung beginnt lange vor der Veröffentlichung einer Ausschreibung. Der tatsächliche Bedarf muss geklärt, der Markt betrachtet und das Verfahren sinnvoll vorbereitet werden. Fehler in dieser frühen Phase lassen sich später oftmals nur schwer korrigieren.
Besonders interessant war der Austausch innerhalb der Gruppe. Je nach beruflichem Hintergrund wurden die Themen aus ganz unterschiedlichen Perspektiven betrachtet – etwa aus Sicht der Bedarfsträger, der Vergabestelle, des Haushalts oder der späteren Anwenderinnen und Anwender.

Organisationen verändern sich nicht von allein

Einen weiteren Schwerpunkt bildeten Organisation, Change Management und Human Resource Management.
Dabei wurde schnell deutlich, dass Verwaltungsmodernisierung nicht allein durch neue Organigramme, digitale Anwendungen oder veränderte Prozesse gelingt. Organisationen bestehen aus Menschen – und Menschen reagieren nicht immer begeistert, wenn vertraute Abläufe verändert werden.
Warum entstehen Widerstände? Wie können Veränderungsprozesse gestaltet werden? Welche Rolle spielen Führung, Motivation und Kommunikation? Und wie lassen sich Beschäftigte nicht nur informieren, sondern tatsächlich beteiligen?
Viele dieser Fragen lassen sich unmittelbar auf aktuelle Herausforderungen des öffentlichen Dienstes übertragen. Digitalisierung, Fachkräftemangel, neue Arbeitsformen und steigende Erwartungen der Bürgerinnen und Bürger zwingen Verwaltungen dazu, sich weiterzuentwickeln. Gleichzeitig dürfen Veränderungsprozesse die Beschäftigten nicht überfordern oder an ihrer Arbeitsrealität vorbeigeplant werden.
Gerade diese Verbindung aus theoretischen Modellen und praktischen Erfahrungen machte das Modul besonders interessant.

Kommunikation ist mehr als die richtige Wortwahl

Auch die Themen Kommunikation und professionelle Präsentation begleiteten uns weiter. Im Rahmen einer Gruppenarbeit beschäftigten wir uns unter anderem mit kulturellen Unterschieden in der Kommunikation.
Dabei ging es nicht nur um Sprache, sondern auch um Werte, Erwartungen und Verhaltensweisen, die häufig unterhalb der sichtbaren Oberfläche liegen. Modelle wie das Eisberg- oder das Zwiebelmodell helfen dabei, diese Unterschiede greifbarer zu machen.
Die anschließende Präsentation war zugleich eine praktische Anwendung dessen, womit wir uns zuvor theoretisch auseinandergesetzt hatten: Inhalte auswählen, verständlich strukturieren, gemeinsam auftreten und komplexe Zusammenhänge auf das Wesentliche reduzieren.
Gerade im Verwaltungsalltag ist diese Fähigkeit nicht zu unterschätzen. Gute Ideen setzen sich schließlich nicht allein deshalb durch, weil sie fachlich richtig sind. Sie müssen auch verständlich erklärt und überzeugend vermittelt werden.

Zwischen Beruf, Studium und dem Rest des Lebens

Bei allen interessanten Inhalten darf ein Punkt nicht fehlen: Ein berufsbegleitendes Studium bleibt eine organisatorische Herausforderung.
Nach einem regulären Arbeitstag noch einen Studienbrief zu lesen, am Wochenende an einer Präsentation zu arbeiten oder sich abends mit der Planspielgruppe abzustimmen, erfordert Disziplin. Gleichzeitig gibt es Wochen, in denen der ursprüngliche Lernplan eher als unverbindliche Empfehlung betrachtet werden muss.
Im zweiten Semester wurde aber auch deutlich, dass sich Studium und Beruf gegenseitig bereichern können. Inhalte aus den Veranstaltungen verändern den Blick auf den eigenen Arbeitsalltag. Umgekehrt helfen praktische Erfahrungen dabei, theoretische Modelle besser einzuordnen und kritisch zu hinterfragen.
Genau diese Verbindung ist vermutlich eine der größten Stärken des Studiengangs.

Was bleibt vom zweiten Semester?

Das zweite Semester war anspruchsvoll, vielseitig und stellenweise ziemlich voll. Es hat aber auch gezeigt, dass die einzelnen Module zunehmend ineinandergreifen.
Unternehmensführung funktioniert nicht ohne verlässliche Zahlen. Investitionen müssen finanziert und wirtschaftlich bewertet werden. Beschaffungen brauchen klare Anforderungen und rechtssichere Verfahren. Veränderungen gelingen nur, wenn Organisation, Führung und Kommunikation zusammengedacht werden.
Und irgendwo zwischen Planspielentscheidungen, Gruppenarbeiten, Lernunterlagen und Präsenzwochenenden ist aus einer Gruppe von Studierenden immer mehr eine Gemeinschaft geworden.
Nun steht das dritte Semester vor der Tür. Die Erfahrung der ersten beiden Semester zeigt: Einfacher wird es vermutlich nicht – aber ganz sicher wieder interessant.

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