Smart City

Das Konzept der „Smart City“ ist bereits seit Jahren ein ungebrochener Trend in der internationalen Stadtentwicklung und wird von mehreren Seiten forciert. Einerseits durch die Angebotsseite von Unternehmen wie beispielsweise IBM, Siemens, oder Huawei, die sich mit ihren Technologien und Lösungsangeboten einen attraktiven Markt erschließen wollen.
Auf Seiten der Nachfrager, ergo dem öffentlichen Sektor, rückt das Thema Smart City ebenfalls immer mehr in den Fokus. Aufgrund des hohen Urbanisierungsgrad von ca. 77 %1 in der Europäischen Union eröffnen „smarte“ Technologien Chancen für Städte sowohl unter ökologischen als auch unter ökonomischen Gesichtspunkten. Daraus folgend bieten beispielsweise smarte Stromnetze und eine intelligente Verbrauchssteuerung ein großes Potenzial zur Reduzierung des Energieverbrauchs und einer damit einhergehenden Reduzierung des CO2-Ausstoßes.

Doch was versteht man unter Smart Cities?

Soll der Begriff nunmehr näher definiert werden, besteht hierzu eine Bandbreite von verschiedenen Definitionen. Laut dem BMI steht der Begriff „Smart Cities“ „ … für die Entwicklung und Nutzung digitaler Technologien in fast allen Bereichen auf kommunaler Ebene“. 2 Definitionen in der wissenschaftlichen Literatur fügen dem Begriff Smart City weitere Aspekte zu wie nachhaltiges Wachstum, Lebensqualität sowie neue Formen der politischen Partizipation hinzu. Grundsätzlich geht es darum, die Lebens- und Wirtschaftsbereiche in den Kommunen durch intelligente Vernetzung zu bessern. Gleichzeitig geht es aber auch um die Beteiligungsmöglichkeiten für Bürgerinnen und Bürger, die sich an der Entwicklung ihrer Kommune auf einfache Weise beteiligen möchten. Eine umfassende Definition bietet Caragliu veröffentlich im Journal of Urban Technology:
We believe a city to be smart when investments in human and social capital and traditional (transport) and modern (ICT) communication infrastructure fuel sustainable economic growth and a high quality of life, with a wise management of natural resources, through participatory governance“. 3

Status quo in Deutschland

Der Bitkom Verband veröffentlichte 2019 erstmals den „Smart City Index“, der alle deutschen Großstädte miteinander vergleicht. Untersucht wurden dafür alle 81 deutschen Städte ab 100.000 Einwohnern. Experten der Bitkom Research haben dafür in fünf Themenbereichen (Verwaltung, Mobilität, Gesellschaft, Energie und Umwelt, sowie IT und Kommunikation) mehr als 11.000 Datenpunkte erfasst, überprüft und qualifiziert – von bspw. Online-Bürger-Services über Sharing-Angebote für Mobilität und intelligente Ampelanlagen bis hin zur Breitbandverfügbarkeit.
Generell lässt sich aus dem Index erkennen, dass die Digitalisierung der Städte in ganz Deutschland voranschreitet. Dabei sticht hervor, dass die meisten Initiativen laut dem Bitkom in Nordrhein-Westfalen (15 Städte) und Baden-Württemberg (acht Städte) vorhanden sind.
Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg weisen besonders viele Städte mit Digitalisierungs-Initiativen vor, da diese beiden Bundesländer spezielle Förderungsprogramme bieten für die Digitalisierung der Städte.4

Förderprogramm „Digitale Modellregionen“

So unterstützt die Landesregierung NRW beispielsweise ausgewählte Kommunen und Regionen (Wuppertal, Soest, Aachen, Gelsenkirchen und Paderborn) mit einem Fördervolumen von 91 Millionen Euro.5
Ziel ist es die Verwaltung schneller zu digitalisieren, Bürgern wie Unternehmen attraktive Angebote zu unterbreiten und mit der Wirtschaft innovative Projekte zur Stadtentwicklung umsetzen zu können. Im Mittelpunkt des Programmes stehen neben der Entwicklung und Umsetzung digitaler Pilotprojekte insbesondere der kontinuierliche Austausch mit den Kommunen in Nordrhein-Westfalen. Das Programm zielt darauf ab, durch Kooperationen in und zwischen den Modellregionen ungenutzte Digitalisierungspotentiale auszuschöpfen und wegweisende Digitalisierungs-Projekte anzustoßen und umzusetzen. Die fünf Modellregionen fungieren daher als digitale Pioniere, um Lösungen für alle Kommunen NRWs schneller zu erschließen.6

Verfasst von Christian Berkenberg

  1. Europäische Union: Urbanisierungsgrad in den Mitgliedsstaaten im Jahr 2019 – [elektronisch veröffentlicht, URL: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/249029/umfrage/urbanisierung-in-den-eu-laendern/
  2. Smart Cities: Stadtentwicklung im digitalen Zeitalter – [elektronisch veröffentlicht, URL: https://www.bmi.bund.de/DE/themen/bauen-wohnen/stadt-wohnen/stadtentwicklung/smart-cities/smart-cities-node.html
  3. Caragliu, A., Del Bo, C., & Nijkamp, P. (2011). Smart cities in Europe. Journal of Urban Technology,18, 65–82
  4. Smart City Index 2020:Wie digital sind Deutschlands Städte? – [elektronisch veröffentlicht, URL:https://www.bitkom.org/Smart-City-Index
  5. 91 Millionen Euro für Digitalisierung in Modellkommunen – [elektronisch veröffentlicht, URL: https://www.land.nrw/de/pressemitteilung/land-investiert-91-millionen-euro-modellkommunen-um-digitale-angebote-fuer-buerger
  6. Digitale Modellregionen – [elektronisch veröffentlicht, URL: https://www.kdn.de/ccd/digitale-modellregionen/