KI in der öffentlichen Verwaltung: Wie Kommunen den Einsatz von KI-Agenten testen
Künstliche Intelligenz in der öffentlichen Verwaltung ist längst mehr als eine Zukunftsvision. Mit dem Agentic AI Hub hat der Bund ein Programm ins Leben gerufen, in dem Kommunen gemeinsam mit Start-ups neue KI-Anwendungen für den Verwaltungsalltag testen. Der Ergebnisbericht der ersten Pilotphase zeigt, was bereits möglich ist und wo die Herausforderungen liegen.
Was steckt hinter dem Agentic AI Hub?
Hinter dem Projekt steht das Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung gemeinsam mit dem DigitalService des Bundes. Ziel ist es neue KI-Anwendungen nicht nur theoretisch zu entwickeln, sondern direkt in der kommunalen Praxis zu testen.
Von März bis Mai 2026 wurden im Rahmen der ersten Pilotphase insgesamt 20 Projekte in 19 Kommunen mit 9 Start-ups durchgeführt. Dabei ging es um ganz unterschiedliche Aufgaben. Von der Bearbeitung eingehender Dokumente und der Unterstützung bei Sozialleistungsanträgen bis hin zur automatisierten Protokollierung von Sitzungen. In der zweiten Runde beteiligen sich seit Oktober 2026 insgesamt 38 Kommunen und 17 Start-Ups.
KI-Agenten unterscheiden sich von klassischen Chatbots. Sie können mehrere Arbeitsschritte miteinander verbinden, Informationen auswerten und Aufgaben innerhalb eines vorgegebenen Rahmens bearbeiten oder vorbereiten. So sollen Beschäftigte von wiederkehrenden Tätigkeiten entlastet werden. Ziel ist es, zeitaufwendige Abläufe zu vereinfachen und mehr Kapazitäten für andere Aufgaben zu schaffen.
Was können KI-Agenten konkret leisten?
Dass sich solche Anwendungen lohnen könnten, zeigen erste Ergebnisse aus der ersten Pilotphase im Frühjahr 2026. Nach Angaben des Bundes konnten bei einzelnen Anwendungen die Durchlaufzeiten deutlich verkürzt werden. So sank die Durchlaufzeit für DSGVO-Auskunftsanträge in einem Pilotprojekt um mehr als 90%. Bei Anträgen auf Hilfe zur Pflege reduzierte sich die Bearbeitungszeit um 45%.
Ein weiteres Beispiel liefert die Stadt Bielefeld, wo KI zur Erstellung von Sitzungsprotokollen getestet wurde. Laut Ergebnisbericht sank die manuelle Nachbearbeitungszeit pro Protokoll von 45 Minuten auf 10 Minuten. Das zeigt, wie KI Beschäftigte bei widerkehrenden Aufgaben entlasten kann und ihnen mehr Zeit für andere Tätigkeiten verschaffen kann.
Allerdings verlief nicht jedes Projekt gleichermaßen erfolgreich. Bei der KI-gestützten Prüfung von Pflegeanträgen im Kreis Borken lag die Genauigkeit bei der komplexen Vermögensprüfung zunächst bei 60%. Der Bericht macht deutlich, dass insbesondere anspruchsvolle Verwaltungsverfahren längere Test- und Trainingsphasen benötigen. Die Ergebnisse zeigen damit sowohl die Möglichkeiten als auch die Grenzen der Technologie.
Neben der technischen Leistungsfähigkeit beeinflussen auch fehlende Schnittstellen zu bestehenden Fachverfahren, Datenschutzanforderungen und die verfügbaren personellen Ressourcen, ob sich solche Lösungen erfolgreich in den Verwaltungsalltag integrieren lassen.
Ersetzt KI die Sachbearbeitung?
Nein. In den untersuchten Pilotprojekten wurden keine vollständig automatisierten Fallentscheidungen getroffen. Die fachliche Prüfung und die endgültige Entscheidung blieben bei den zuständigen Mitarbeitenden.
Das ist gerade in der öffentlichen Verwaltung entscheidend. KI kann Informationen aufbereiten und Arbeitsschritte erleichtern. Die Verantwortung für Entscheidungen gegenüber Bürgerinnen und Bürgern lässt sich damit aber nicht einfach an ein technisches System abgeben.
Wie geht es weiter?
Die erste Pilotphase hat gezeigt, dass KI-Anwendungen in der Verwaltung praktisch eingesetzt werden können. Die nächste Herausforderung besteht darin, geeignete Lösungen dauerhaft in bestehende Abläufe zu integrieren und für weitere Kommunen nutzbar zu machen. Mit der zweiten Pilotierungsrunde werden weitere Lösungen erprobt.
Der Agentic AI Hub soll dazu beitragen, Erfahrungen aus einzelnen Projekten zu bündeln und erfolgreiche Anwendungen weiterzuentwickeln. Ob daraus eine flächendeckende Veränderung entsteht, hängt nicht nur von der Technik ab, sondern ebenso von rechtlichen, organisatorischen und personellen Voraussetzungen.
Quellen:
https://bmds.bund.de/themen/kuenstliche-intelligenz/ki-in-der-verwaltung/agentic-ai-hub
Deutschland kann KI: Von der Pilotierung zur Skalierung- Ergebnisbericht der 1. Pilotierung des Agentic AI Hub
