Ein letzter Blick auf die Einladung. Ich öffne die schwere Tür zum großen Hörsaal.

Mit meinen mittlerweile sieben Jahren Berufserfahrung in der Kommunalverwaltung komme ich mir zunächst altersmäßig irgendwie leicht deplatziert vor. Durch den Bologna-Reformprozess sind viele Absolventen der Bachelor Studiengänge nun einmal vergleichsweise jung – und ich daher wohl vergleichsweise alt? Aber das ist wohl nur eine äußerst subjektiv gefärbte Einschätzung meiner Situation, denn einige meiner Kommilitoninnen und Kommilitonen haben auch schon das 30. Lebensjahr hinter sich gelassen. Unsere Namensschilder stehen an den für uns vorgesehenen Sitzplätzen sauber aufgereiht nebeneinander. Hier bin ich doch richtig. In so einem Moment denkt man zurück an den Stress und die Probleme, welche sich in den letzten Jahren während und wegen des Studiums gezeigt haben.

Andere hatten aber noch schwierigere Hürden zu meistern: Sie haben es dennoch vollbracht Kinder, Familie, Beruf und Studium unter einen Hut zu bringen. Gleichzeitig zeigt ihre heutige Anwesenheit, dass ein nebenberufliches Studium mit ausreichend Willensstärke, Zeitmanagement und Disziplin realisierbar ist. Völlig unabhängig von den fachlichen Inhalten des Studienganges sind dies Kompetenzen, die man zweifelsfrei unter Beweis gestellt hat. Und irgendwo vermutet man im Hinterkopf ja doch, dass das „lebenslange Lernen“ gerade einmal anfangen hat. Die Halbwertszeit des Wissens läuft nämlich unerbittlich weiter.

Nach einigen feierlichen Reden, welche bei dieser Gelegenheit zeigen, wie vielfältig die Studienmöglichkeiten am Fachbereich Wirtschaft der Fachhochschule Dortmund sind, beginnt die Übergabe der Urkunden.

Gleichzeitig wird das jeweilige Thesis-Thema mit einem Beamer gut sichtbar für alle an die Wand gestrahlt. Einige Themen aus unserem Jahrgang sind so tagesaktuell, dass sie auch bei manch einem Fachfremden für kurzweilige Erheiterung sorgen. Bundes-, Landes- und Kommunalverwaltung – alles ist hier vertreten. So wird ein Themenbogen von der Work-Life-Balance bei der Bundeswehr bis hin zu möglichen Unternehmensnachlassregelungen mit Hilfe von Stiftungen gespannt.

Jetzt fehlt nur noch ein symbolträchtiges Erinnerungsfoto fürs Familienalbum. Draußen vor dem Hörsaal wird die finale Herausforderung an die Augen-Hand-Motorik gestellt. Alle Hüte müssen von rund 60 eng zusammenstehenden Menschen zeitgleich etwa zwei bis drei Meter hoch geworfen und wieder schadensfrei aufgefangen werden. Um alles etwas einfacher zu gestalten, guckt man dabei direkt in die tiefstehende Sonne. Nach jedem Wurf sollte man nach Möglichkeit wieder den eigenen Hut in den Händen halten. Und noch etwas: Man sollte bei dieser Aufgabe nicht allzu angestrengt wirken.

So entsteht eine ganze Fotoserie aus mehr oder weniger gelungenen Versuchen. Die Fotos in den Werbeprospekten, die man also vor Studienbeginn gesehen hat, beruhen ebenso auf harter Arbeit. Am Ende ist man wohl immer schlauer.

Am Abend geht es dann in ein Restaurant in die Dortmunder City. Man will auch weiterhin in Kontakt bleiben. Einige haben sich schon wegbeworben, andere bereits die Stelle gewechselt und wiederrum andere wollen weiter bei ihren bisherigen Arbeitgebern bleiben, da ihnen dort entsprechende Perspektiven geboten werden. Die kontroversen Diskussionen am Tisch laufen in die eine und dann in die völlig andere Richtung. Einzelne Episoden des Studienalltages werden aus dem Gedächtnis wieder hervorgekramt und sorgen für einen stimmungsvollen Abend.

Als die Mitternacht anbricht, geht es gemeinsam in einen Club, welcher im siebten Stock direkt unterhalb des „Dortmunder-U“ in der Innenstadt seinen Sitz hat. Während man nun endlich tiefenentspannt seinen Blick über das Ruhrgebiet schweifen lassen kann, spiegelt sich das gelb erleuchtete „U“ der ehemaligen Unions-Brauerei in den Fenstern eines Nebengebäudes.

Das hätte selbst Hollywood nicht besser hinbekommen ….

Wladimir G.