E-Kompetenzmanagement im öffentlichen Sektor[1]

Seit der Einführung von Informationstechnologien in der Verwaltung gibt es eine strikte Trennung zwischen den Aufgabenfeldern der IT-Spezialisten und der Verwaltungsmitarbeitenden. Mit Einführung von Digitalisierung und E-Government wandelt sich dieses Rollenverständnis jedoch. Die Digitalisierung setzt inzwischen einen kompetenten Umgang mit Informationstechnologie auf allen Ebenen voraus. So ist es einerseits eine ständige strategische Managementaufgabe, E-Government-Prozesse zu implementieren und zu evaluieren. Hierfür müssen die Vorteile der Digitalisierung erkannt werden und es muss die Bereitschaft bestehen, Digitalisierung aktiv zu gestalten. Andererseits sind heute auch die Mitarbeitenden der allgemeinen Verwaltung gefragt, an der Optimierung von Arbeitsprozessen und deren elektronischer Abwicklung mitzuwirken. Nicht zuletzt müssen alle in der täglichen Arbeit mit der eingesetzten Technologie umgehen können.  

Zudem wandelt sich mit der Digitalisierung auch das Arbeitsumfeld. Digitalisierung bedeutet schnellere Datenverfügbarkeit und kürzere Halbwertzeit von Wissen, sodass Problemlösungen schneller erarbeitet werden müssen. Dies setzt die Einführung flacher Hierarchien voraus und erfordert eine Flexibilisierung der Zusammenarbeit. Um das gesammelte Wissen strukturieren und erhalten zu können, bedarf es zudem eines professionellen Wissensmanagements. Durch die Möglichkeit, zeit- und ortsunabhängig auf benötigte Informationen zuzugreifen und digital zu kommunizieren, bietet sich zudem die Möglichkeit für mobiles Arbeiten.  

Die dargestellten Veränderungen der Arbeitswelt verdeutlichen, dass mit der Digitalisierung ein tiefgreifender Wandel einhergeht, für dessen Bewältigung vielfältiges Wissen und persönliche Fähigkeiten, sogenannte E-Kompetenzen erforderlich sind.

Die Vermittlung von E-Kompetenzen findet in Ausbildung und Studium für den mittleren und gehobenen allgemeinen Verwaltungsdienst keinen hohen Stellenwert. Aufgrund der ungebrochenen Dominanz von Juristen im höheren Dienst, zu deren Studieninhalten E-Kompetenzen ebenfalls nicht gehören, besitzen auch Führungskräfte größtenteils nicht die erforderlichen Kenntnisse, um die Digitalisierung effektiv und effizient voranzutreiben.

Es besteht somit hierarchieebenen- und berufsgruppenübergreifend erheblicher Weiterbildungsbedarf in der öffentlichen Verwaltung, damit der Wandel zu einer digitalen Verwaltung gelingen kann. Um diese Herausforderung effektiv steuern zu können, muss die Vermittlung von E-Kompetenzen auf strategischer Ebene in Form eines E-Kompetenzmanagements etabliert werden. Grundlegende Voraussetzung hierfür ist, dass die Führungskräfte die Relevanz dieses Themas verstehen und die Vermittlung der notwendigen Kompetenzen für ihre Mitarbeitenden aktiv fördern.

Die erste Aufgabe eines E-Kompetenzmanagements ist es, den bestehenden Weiterbildungsbedarf festzustellen. Aufgrund des Umfangs des erforderlichen Wandels bedarf es hierzu einer Analyse aller vorhandenen Stellen. Hierbei muss vorab festgelegt werden, welche Rolle (z.B. Nutzer, IT-Koordinator oder IT-Gestalter) die einzelne Stelle im Digitalisierungsprozess haben soll. Denn hiervon hängt ab, welche Kompetenzen in welchem Umfang vorhanden sein müssen. Anschließend müssen stellenindividuell die benötigten Kompetenzen festgelegt werden. Es empfiehlt sich, die Rollen und benötigten E-Kompetenzen in der Stellenbeschreibung festzuhalten. Praxisnahe Arbeitshilfen zum Aufbau eines solchen E-Kompetenzmanagements wurde beispielsweise im Auftrag des IT-Planungsrates[2], der die bundesweite und behördenübergreifende einheitliche Umsetzung der Digitalisierung in der öffentlichen Verwaltung fördern und steuern soll, oder der Bertelsmann-Stiftung[3] erarbeitet. Diese sind kostenlos online abrufbar.

Anschließend sind die erforderlichen Fortbildungsmaßnahmen zu definieren und intern oder extern durchzuführen.

Die Folgen mangelnder E-Kompetenzen in der öffentlichen Verwaltung sind bereits jetzt sichtbar, wie zum Beispiel das Scheitern des OZG oder die nur schleppende Einführung der E-Akte verdeutlichen. Den Verwaltungen kann daher nur empfohlen werden, sich schnellstmöglich mit dem Thema E-Kompetenzmanagement zu befassen und eine ganzheitliche Herangehensweise zu wählen, um in möglichst kurzer Zeit mit geeigneten Weiterbildungen beginnen zu können.


[1] Verwendete Literaturquellen: Klenk/Nullmeier/Wewer (Hrsg.). Handbuch Digitalisierung in Staat und Verwaltung. Springer Fachmedien Wiesbaden (2020); Stember et. al. (Hrsg.). Handbuch E-Government. Springer Fachmedien Wiesbaden (2019); Seckelmann/Brunzel (Hrsg.). Handbuch Onlinezugangsgesetz. Springer Verlag Deutschland, Berlin (2021).

[2] https://www.it-planungsrat.de/fileadmin/beschluesse/2016/Beschluss2016-46_30_Anlage1_E_Government_Kompetenz.pdf (zuletzt abgerufen am 30.12.2023)

[2] https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/unsere-projekte/reframetech-algorithmen-fuers-gemeinwohl/projektnachrichten/orientierung-im-kompetenzdschungel (zuletzt abgerufen am 30.12.2023)

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